Feuerwanzen und andere Tiere
- HERZieherin
- 8. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Feuerwanzen gehören zu der Teilordnung der Pentatomomorpha und werden fälschlicherweise immer wieder als Feuerkäfer bezeichnet. Die Kinder sagen aber auch oft Marienkäfer dazu. Oder sie sagen gar nichts und schreien einfach nur, wenn sie sie sehen. Dabei sind sie gar nicht gefährlich. Ich meine die Wanzen, nicht die Kinder. Das hat mir letztens Maggie erklärt, als ich an einer Truppe Kinder vorbeiging, die auf dem Boden hockten und irgendetwas anfeuerten, was sich bei näherem Hinschauen als Wettlauf der Feuerwanzen entpuppte. Ich guckte, Maggie auch. „Du brauchst aber keine Angst haben, Damaris, die machen kein Feuer!“, hatte sie mir leichthin versichert. Puh, na da war ich aber beruhigt.

Maggie hat auch keine Angst vor den Tierchen. Tagtäglich sitzt sie tiefenentspannt vor dem Blumenbeet im Kindergartengarten und pflückt eine Feuerwanze nach der anderen von der Erdoberfläche. Die sammelt sie dann in ihr kleines Eimerchen und packt allerhand Gras und Stöckchen dazu. Nach der Prozedur zeigt sie sie herum und sagt, sie muss sie pflegen, damit es denen gut geht.
Ich liebe es, zu beobachten, mit welcher Neugierde Kinder einen scheinbar einfachen Garten in ein abenteuerliches Entdeckerparadies verwandeln und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Überall gibt es etwas zu sehen, zu befühlen, herauszukratzen, zu erforschen.
Es ist ein schmaler Grat zwischen „ausprobieren lassen“ und „eingrenzen“. Einerseits ist es wichtig, dass die Kinder die Natur erforschen, sie sollen durch die Gegend stromern und entdecken, was für geniale Dinge Gott alles geschaffen hat. Und dabei neugierig bleiben, entdeckerfreudig, interessiert. Ganz viele Fragen stellen, deren Antworten sie mit leuchtenden Augen erwarten dürfen. Vorgänge erkunden, komplexe Zusammenhänge verstehen lernen. Dazu gehört auch so etwas wie die AHA-Erkenntnis, dass Regenwürmer sich nicht freuen, wenn sie von der Kinderbande gesammelt werden, damit sie eine Poolparty in der großen Regenpfütze veranstalten können. Regenwürmer können zwar schwimmen, aber sie atmen über die Haut, sie brauchen Sauerstoff. Und Regenwasser hat leider nicht mehr so viel Sauerstoff, wie frisches Wasser. Wir Erwachsenen können den Kindern also durchaus erklären, dass sie bitte die armen Regenwürmer in Ruhe lassen sollen und wir auch nicht die fünf Exemplare in der Hand halten und auf sie aufpassen wollen, bis der selbsternannte Regenwurmpfleger fertig ist mit Fahrzeug fahren und die Würmer wieder übernimmt. Aber sie werden nicht verstehen, warum. Für viele Dinge braucht es die Selbsterfahrung und nicht nur ein „Nein, iieh, lass das, hör auf, fass das nicht an…“
Während ich noch überlege, wann Maggie begreift, dass die von ihr gesammelten Feuerwanzen wahrscheinlich deswegen die Pflege brauchen, weil sie mit ihren Fingerchen deren kleine Körper beim Anfassen halb zerquetscht, werde ich zum nächsten Tiernotfall gerufen.
Nadja steht stocksteif wie eine Wachsfigur da, ihre bei 13°C behandschuhte linke Hand in die Höhe gestreckt und still vor sich hinwimmernd. Da sitzt etwas auf ihrem Handschuh. Das Etwas sieht aus wie eine süße Hummel, hat aber einen langen Rüssel, der aussieht wie ein Stachel. Und Maggie hat eine riesige Angst, weil sie denkt, das böse Ding will sie stechen. Alle anderen Kinder denken das auch und stehen lieber ganz, ganz weit weg. Ich weiß erst später, dass das ein ganz harmloser Wollschweber ist, der mit dem langen Saugrüssel den Nektar aus Blüten sammelt. Aber ich weiß schon da, dass das süße Hummelding wahrscheinlich eine noch viel größere Riesenangst hat, als die Kinder, und sich vielleicht nur wundert, warum da kein Nektar aus dem schönen Handschuh kommt. Nadja und der Wollschweber werden beide gerettet und sind mit Sicherheit beide froh darüber.
Ich bin selber noch immer am Lernen, wie Kinder in ihrem Forscherdrang gestärkt und gut begleitet werden können. Ich wünsche mir für sie einen achtsamen und rücksichtsvollen Umgang mit der Schöpfung. Und dass Entdeckerfreude bewahrt bleibt. Da darf der angelernte Ekel vor großen Spinnen beispielsweise etwas im Zaum gehalten werden und der Angstschrei bei einer Maus zurückgehalten.
Haie und Schmetterlinge scheinen auch gerade beliebte Tiere zu sein. Meine Kollegin hat mit den Kindern „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ begonnen mit der Zusatzaufgabe, dass der gewünschte neue Sitznachbar mit einer beliebigen Tierbewegung den Platz zu wechseln hat. Wie sich herausstellt, besteht die Spielrunde nur aus Schmetterlingen und Haien.
Fritz soll als Hai kommen und versucht, mit dem Bauch voran zu robben.
Lina soll als Schmetterling den Platz wechseln und flattert hinüber.
Ludwig wird als Hai herbeigewünscht und geht als Ludwig rüber.
Schmetterling Sabine hat die Ohren verstopft und hört gar nicht erst.
Ich soll als Hai kommen und plustere meine Wangen dabei so sehr auf, dass meine Kollegin vor Lachen fast umfällt.
Rieke als Schmetterling legt einen Sturzflug hin.
Und Hai Fabian bewegt sich als irgendeine Spezies, die noch nicht entdeckt wurde.
Also AUF, AUF, lasst uns noch mehr entdecken!




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