Zwischen guten und schlechten Ideen kommen die schluten Ideen
- HERZieherin
- 9. März
- 4 Min. Lesezeit
Es ist ja so: es gibt gute Ideen.
Und es gibt schlechte Ideen.
Und dann gibt es auch noch so mittelgute Ideen – die, bei denen man erst nachdenken muss, ob sie gut sind oder nicht. Das sind die SCHLUTEN Ideen.
Und dann gibt es auch eher schlechte Ideen.
Und sämtliche Nuancen dazwischen.
Und dann gibt es nicht nur diese und jene Ideen, sondern auch noch ein fürchterliches Dilemma: und zwar gibt es Ideen, die die Erwachsenen TOTAL GUT finden und die Kinder…eher nicht so. Manchmal habe ich eine Idee und die finde ich weltraummäßig toll. Und die Kinder finden sie so richtig PLÖD!
Zum Beispiel finde ich, es ist eine gute Idee, wenn Kalle erst einmal die etwa siebenundsechzig Magnetbausteine und die fünfzehn Rennautos aufräumt, bevor er in der Kinderküche eine Suppe kochen will – „im Spiel“ natürlich. Ich sage das, damit die anderen Kinder nicht über die siebenundsechzig Magnetbausteine stolpern, auf den fünfzehn Rennautos ausrutschen oder noch schlimmer, Kalle dann aus Versehen seine gekochte Suppe darüber verplempert. Kalle findet die Idee aber so richtig PLÖD. Er hat keine Lust, aufzuräumen und außerdem hat er ja fast gar nicht damit gespielt. Behauptet er jedenfalls, vehement mit dem Kopf nickend und damit seine Aussage unterstreichen wollend.
Arthur findet es dagegen eine ganz tolle Idee, Michelle ein Loch in den Pullover zu schneiden. Da finde ich wiederum, dass es keine gute Idee ist, nicht mal eine schlute. Glücklicherweise ist es nur ein klitzeklitzekleines Löchlein. Unglücklicherweise weint Michelle, dass Mama und Papa keine Nadel und Faden zuhause haben. Aber glücklicherweise wiederum erinnert sie sich, dass Oma Nadel und Faden hat. Ein Hoch auf die Oma, die wird das wieder hinkriegen!
Linus hat auch eine ganz tolle Idee. Er hatte mit seinen Kumpels eine wirklich sehr lange Zeit einträchtig nebeneinander mit den Bausteinen gebaut, bevor der Streit losging. Aber bevor der Streit um diesen einen ganz besonderen Baustein so richtig losgehen konnte, haben sie VON SELBER eine Lösung gefunden. Sie haben ein paar Bausteine hin- und hergetauscht (alles unter 100 Dezibel!) und dann ein fantastisches Bauwerk zusammen errichtet. Später sage ich Linus noch einmal ganz persönlich, wie grandios ich das Bauwerk finde. Und wie begeistert ich bin, dass sie sich zusammengetan und gemeinsam eine Lösung gefunden haben. Linus erklärt mir, während er gefühlt zehn Zentimeter größer wird: „MHJA, ich dachte eigentlich, ich kann nur Quatsch bauen. Aber dann habe ich mir in meinem Kopf was gedacht und dann habe ich…in meinem Kopf sowas mir überlegt und dann…[greift sich mit den Händen an seinen Kopf, um die Vorgänge zu demonstrieren]…haben wir uns zusammen in unserem Kopf was gedacht und dann…haben wir das zusammen gebaut!“ Schaut stolz wie Bolle. Und mir geht das Herz auf.
Meistens ist es eine gute Idee, sich passende Überleitungen zu überlegen, wegen des roten Fadens und so. Das gelingt mir allerdings gerade nicht so gut und so gibt es nur eine schlute Überleitung:
Was reimt sich auf Überleitung?
Richtig, Spielanleitung.
Nämlich ist es übrigens auch manchmal eine gute Idee, sich eine Spielanleitung durchzulesen. Oder ein wenig nachzudenken (könnte auch manchmal hilfreich sein). Sonst kann es passieren, dass man wie ich mit zwei Kindern eine geschlagene Viertelstunde am Tisch sitzt, versucht, mit so hübschen Tierbildkarten ganz nah vor sich und vielen umgedrehten Tierbildkarten ein bisschen weiter weg von sich eines nach dem anderen umdreht, um zwei passende zu finden.
Um dann festzustellen, dass es gar nicht zwei passende gibt, sondern alle nur einmal.
Und dass das auch nicht Memory ist, was wir da seit einer geschlagenen Viertelstunde spielen, sondern Lotto. Toll, steht ja sogar in groß auf dem Cover drauf. Mensch, also wer lesen kann…ich habe da jetzt ein neues Motto: „Lotto ist Lotto und Memory ist Memory“.
Manchmal ist es aber auch eine gute Idee, wenn gleich mehrere die Spielanleitung lesen. Zum Beispiel bei dem Spiel mit der ganz-wunderbar-laut-schrillen-Klingel und den Karten mit dem Obst darauf. Wenn ich mit Gerda spiele, darf man immer dann klingeln, wenn fünf Früchte einer Sorte bei BEIDEN Spielern zu sehen sind. Bei Lukas darf man klingeln, wenn fünf Früchte INSGESAMT bei beiden Spielern zu sehen sind, egal, welche Früchte. Bei Hannah darf man klingeln, wenn es die gleichen Früchte sind bei beiden. Nee verkehrt, nur SIE darf dann klingeln, bei mir müssen es GENAU fünf sein. Bei Vanessa ist es so, dass sie jede Runde auf die Klingel haut und dann nochmal nachzählt und man muss einfach abwarten. Während ich das Spiel mit Hannah spiele, lasse ich sie an meiner Verwirrung über die vier bis fünf unterschiedlichen Spielregeln teilhaben, woraufhin sich die Vierjährige ganz ambitioniert die Spielanleitung schnappt, aufschlägt und ganz fachmännisch beim „Lesen“ die Augenbrauen kräuselt. Nach dem Studium verkündet sie triumphierend: „JA, DOCH, STIMMT genau so, da steht es!“ Na, wenn das so ist…Dann ist es vielleicht nur eine schlute Idee, eine der vorigen Spielregeln durchzusetzen, wenn man das Spiel überhaupt einfach nur noch fertigspielen möchte.
Um den Knoten im Kopf dann ein wenig zu entwirren, ist es eine gute Idee, danach im Kinder-Friseursalon vorbeizuschauen. Als Kundin natürlich. Da wird man verwöhnt mit Lockenwicklern, die in den Haaren hängenbleiben und mit Haarverdünnung begründet durch Puppenbürsten, mit denen vehement sämtliche Fitze entfernt werden. (Es ging doch schließlich darum, die Knoten zu entwirren, nicht wahr!?) Aber hey, man darf mit Spielgeld bezahlen – also was will ich erwarten?! Oder ist das vielleicht doch keine so gute Idee…?! Muss ich noch ein bisschen drüber nachdenken…





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